Herkunft & Tradition · 6 min Lesezeit
Senf aus Einbeck: Tradition, Sorten, Manufaktur
Einbeck ist im Bewusstsein vieler vor allem als Bierstadt verankert. Wer genauer hinsieht, findet jedoch ein zweites, leiseres Kulturgut: den Senf aus Einbeck. Seit 1923 wird in der Senfmühle gemahlen, gemaischt und gereift — nach einem Verfahren, das näher am Handwerk als am Industrieprozess liegt.
Senf aus Einbeck hat eine über 100 Jahre währende Tradition. So wurde bereits 1923 Senf in der Einbecker Innenstadt von Henry Dähnhardt hergestellt. Diese Senfmanufaktur bestand bis 1950. Am 10. April 2010 wurde diese Tradition unter dem Namen Einbecker Senfmühle wieder aufgenommen und an ein lokales Handwerk angeknüpft. Also weniger eine Gründung als vielmehr eine Wiederbelebung von Einbecker Geschichte.
Heute wird die Einbecker Senfmühle von Familie Kreuzinger aus Dassel weitergeführt. Die Güte und Qualität des Senfes manifestiert sich in jeder einzelnen Charge. Jeder Senf, der unsere Manufaktur verlässt wurde mit Sorgfalt und handwerklicher Leidenschaft produziert, abgefüllt und verpackt. Das Besondere dabei:
Es werden ausschließlich Bio-Zutaten für die Herstellung verwendet. Bei der Auswahl der Lieferanten wird neben der Qualität besonderen Wert auf Regionalität gelegt. So beziehen wir unsere Senfsaat vom Gut Ölbergen im Auetal sowie direkt vom Biohof Schaper in Ellensen - keine 6 km von unserer Manufaktur entfernt.
Was eine Senfmühle von einer Senf-Fabrik unterscheidet, ist die Art, wie das Korn aufgeschlossen wird. Wir arbeiten mit Granit-Mahlsteinen, die mit niedriger Drehzahl und mit geringer Temperaturentwicklung mahlen. Das ist langsam und energieintensiv — aber genau diese kalte Vermahlung erhält jene Senföle, die einem guten Senf seine charakteristische Schärfe und seinen aromatischen Tiefgang geben.
In industriellen Anlagen werden Senfsaaten häufig zwischen schnell rotierenden Stahlwalzen zerrieben. Dabei erwärmt sich die Saat, die ätherischen Senföle verflüchtigt sich — und der fertige Senf schmeckt zwar scharf, die wertvollen Inhaltsstoffe sind jedoch weg. Bei uns ist das anders: In der Ruhe liegt die Kraft.
Was „kaltvermahlen“ konkret bedeutet
Die Temperatur des Mahlguts bleibt während des gesamten Vorgangs unter 30 °C. Das ist kein Marketing-Begriff, sondern ein messbarer Wert, der in der Mühle dokumentiert wird. Erst dadurch entsteht der Geschmacksunterschied, den Sie schon beim ersten Löffel bemerken: ein Senf, der nicht nur scharf ist, sondern auch alle Inhaltsstoffe behält.
Die Einbecker Senfmühle führt heute eine Senf-Familie, die vom Klassiker bis zur Spezialität reicht. Das Rückgrat bilden drei Richtungen:
- Mittelscharfer Senf — der unaufgeregte Allrounder. Aus gelber, brauner und schwarzer Senfsaat, mit ausgewogener Schärfe, der zu Wurst, Käse und kalten Platten passt.
- Süße Senfe — bayerisch-norddeutsch übersetzt besticht der Feinsüße mit einer leichten Zimtnote. Wer es etwas süßer mag liegt mit dem Honigsenf genau richtig. Beides klassische Begleiter zur Weißwurs, Geflügel oder auch zu Käse.
- kernig scharfer Senf — das Korn bleibt sichtbar. Die ganzen Senfkörner geben einen Biss, den ein cremiger Senf nicht hat. Durch einen höheren Anteil an schwarzer Senfsaat ist er für jeden Liebhaber von Schärfe ein Muss. Wer es etwas dezenter möchte, dem sei unser Chilisenf ans Herz gelegt.
Dazu kommen saisonale und thematische Sorten: ein Bockbier-Senf, der lokal an die Einbecker Brautradition anknüpft, ein Kräuter-Senf sowie einen Dillsenf, der ein idealer Begleiter zu Fisch ist. Eine vollständige Übersicht mit Geschmacks-Profilen finden Sie unter Senfsorten im Vergleich.